Hätte Mark Felt als“Deep-Throat” Bob Woodward über Watergate informiert und damit den nötigen Fall von Richard Nixon eingeleitet, wenn er um die Enthüllung seiner Identität hätte fürchten müssen? Denn anders als der Handlanger des Weissen Hauses, der die verdeckte Tätigkeit von Valerie Plame bei der CIA gegenüber einigen Journalisten als Rache an den unbequemen Joe Wilson preisgab und damit schon ein Verbrechen beging, handelte Deep-Throat seinem Rechtsbewusstsein entsprechend als er half, die verbrecherischen Vorgänge in der Nixon-Regierung aufzudecken. Mark Felt ging dabei ein hohes persönliches Risiko ein.
Judy Miller von der New York Times, geht zum Schutz der Identität ihres Informanten mit den fragwürdigen Motiven 4 Monate ins Gefängnis. Die Affäre schlägt Wellen und in der amerikanischen Presse wird inzwischen vom “Plame-Gate” gresprochen. Ankläger Fitzgerald geht es, nach Yahoo!News darum, herauszufinden, ob ein Verbrechen stattgefunden hat. De Facto wäre die Preisgabe der geheimen Tätigkeit eines Bundesagenten ein Verbrechen und dem geht er nach. Bezirksrichter Hogan setzte die Haftstrafe auf Antrag Fitzgeralds durch. Richter wie Ankläger betonen, daß diese Maßnahme keinen Angriff auf die Pressefreiheit darstellt. Judy Miller verfüge über Informationen, von denen nur Sie Kenntnis habe und es wäre notwendig für das Verfahren den Namen des Informanten zu ermitteln. Im Februar war vor dem Bundesgericht ein Urteil ergangen, nachdem bei laufenden Kriminalfällen kein Informantenschutz besteht.
Wie ich ja schon in einem vorhergegangenen Post erwähnt habe, hat Karl Rove auf jeden Fall mit Matt Cooper von TIME gesprochen. Bei der Sachlage erscheint eine Anklage Karl Roves zu dieser Angelegenheit nicht mehr ausgeschlossen. Unter welchen Umständen eine Anklage denkbar wäre hat Lawrence O’Donnell, der Freitag die Story ins Rollen brachte, auf HuffingtonPost verdeutlicht. Schade das Judy Miller nicht sieht, wie sie als politische Racheinstrument mißbraucht wurde. Ihre Quelle unter diesen Umständen unter dem Deckmantel des Journalistenethos zu schützen grenzt an Pathetik. Eine kurzen Abschnitt dazu lest ihr auch hier beim Spindoktor.
Zum Schluss noch ein Gedanke zu Deep-Throat: solche Leute, die sich bemühen die Mißstände um sich herum anzuprangern wird es immer geben. Zur Not auch auf Kosten der eigenen Reputation und bei drohender Strafe. Genau das ist Joe Wilson passiert.
Allen zukünftigen Deep-Throats, Joe Wilsons oder Mordecai Vanunus gilt mein tiefster Respekt und meine Sympathie. Im Englischen gibt es für solche Leute die schöe Bezeichnung “Whistleblower”. Der Informant der Joe Wilsons Frau ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gezerrt hat, hat das aus höchst niederen Beweggründen getan ist deshalb der vorher genannten Gruppe nicht zuzuordnen und hoffentlich bald vor Gericht. Diesen Vorgang zum Kampf um die Pressefreiheit zu stilisieren, wie das teilweise in amerikanischen und deutschen Medien gemacht berichtet wird, halte ich für reichlich überzogen.

Nachtrag 10:00 Uhr:
Ich habe eben beim googeln noch den Blog von Mathias Brökers entdeckt, der sich in diesem Post dem Thema widmet.