Es ist das Jahr 2003, der 43. amerikanische Präsident verkündet bei der Rede zur Lage der Nation als Argument für einen Irak-Feldzug, daß Saddam Hussein im Niger Uran besorgen wollte für sein fiktives Arsenal von Massenvernichtungswaffen. Der ehemalige Botschafter Joe Wilson ging zuvor für die CIA nach Niger und fand keinerlei Beweise für solche Transaktionen vor. In einer Kolumne in der New York Times machte Joe Wilson seine Erkenntnisse, die die Aussagen George Bush’s in Frage stellten, publik. Auf die öffentliche Bloßstellung des Präsidenten als Lügner, reagierten republikanischen Spindoktoren mit einer Diffamierungskampagne gegen Wilson.
Wenig später erhalten einige Jounalisten von ihren Regierungsquellen die Information, Joe Wilsons Frau, Valerie Plame, arbeitet undercover für die CIA. Als Kolumnist Robert Novak diese Geheiminformation publik macht ist der Skandal perfekt. Valerie Plame, mußte sich beurlauben lassen, da ihr Job im Licht der Öffentlichkeit keinen Sinn mehr ergab. Joe Wilson wendete sich wütend an die Presse und beschuldigte direkt Bush’s Chefstrategen Karl Rove der Informant zu sein, zog das aber aufgrund fehlender Beweise wenig später zurück, um selbst keine Probleme zu bekommen.
Bemüht die Affäre schnell aus dem Blickfeld des öffentlichen Interesses zu rücken, schickt Präsident Bush Patrick Fitzgerald als Sonderankläger nach Washington. Er soll herauszufinden, wer das Leck im Weißen Haus ist. Fitzgerald gilt als Held in Chicago, wo er vorher effektiv gegen Korruption aus allen politischen Lagern vorgegangen war. Während der Sprecher des Weißen Hauses Scott McClellan nicht müde wurde dem Pressekorps zu vermitteln, die Vorwürfe seien absurd, und George Bush sogar betont ärgerlich meinte, er wolle den Informanten selber gerne in die Finger kriegen, ging Fitzgerald an die Arbeit.
Karl Rove wird vorgeladen und gibt sich sehr kooperativ, er sei nicht die Quelle. Lange Zeit ist es ruhig, die Ermittlungen laufen ins Leere. Fitzgerald sieht sich gezwungen die Journalisten Matt Cooper und Judy Miller vorzuladen. Die Journalisten berufen sich auf das Recht, ihre Quellen nicht preisgeben zu müssen. Mit der Begründung, der Gesuchte sei möglicherweise eines Verbrechen schuldig und müsse deshalb von diesem Schutz ausgeschlossen werden, wird den Journalisten Haft angedroht, sollten sie sich weiterhin weigern, den Informanten zu nennen.
Judy Miller weigert sich auch weiterhin und geht so als Pseudo-Märtyrerin der Pressefreiheit in die Geschichte ein. Es ist überhaupt auffällig wieviele sonst sehr konservative Journalisten und Blogger sich gerade jetzt in dieser Sache für die Pressefreiheit starkmachen. Matt Cooper hat inzwischen geredet und TIME hat, wider seines Protests, noch Emails und Notizen Coopers an den Sonderankläger übergeben.
Ich hatte ja schon vor ein paar Tagen erläutert, daß ich eine Anklage Rove’s nicht für wahrscheinlich halte. Aaber offensichtlich, so weiß David Corn zu berichten, gibt es neue Beweise. Newsweek hat Auszüge von Cooper’s Aufzeichnungen aus denen eindeutig hervorgeht, daß Karl Rove Cooper’s Informant war, sondern auch, daß er im Rahmen dieser Gespräche die Tätigkeit von Valerie Plame erwähnt hat. Das ist reichlich brisant, denn Karl Rove hat nicht die Wahrheit gesagt, als er vor der Grand Jury befragt wurde und er hat Geheiminformationen verraten, von denen er eigentlich keine Kenntnis hätte haben dürfen.
Es ist ein Bangen und Hoffen von meiner Seite, daß mit dem “Plame-Gate” endlich das Ende der Bush-Lügen-Regierung eingeläutet wird. Diese Bande hat Halliburton so unglaublich viel amerikanisches Steuergeld in den Rachen geschoben, Exxon mit der richtigen Umweltpolitik beschenkt und einen völkerrechtswidrigen Konflikt im Irak entfacht.
Karl Rove ist als Wahlkampfleiter und Vize-Stabschef im Weißen Haus eine Kernfigur der Bush-Regierung und Vordenker bei den Ultrakonservativen Flügel der Republikaner. Seine schmutzigen Methoden begleiten George Bush schon seit Texas. So hatte er sich bei einem Wahlkampf selbst verwanzt und das auf den politischen Gegner geschoben. Mit solchen Finten gewinnt dieser Mann immer wieder den Krieg der Medien und damit die Wahlen. John Kerry kann ein Lied über die “SwiftBoatVeterans for Truth” singen, die in TV-Spots den Heldenmut des demokratischen Präsidentschaftskandidaten im Vietnamkrieg in Zweifel zogen.
Zwar mangelte es den Vorwürfen an Substanz, aber die Kampagne zeigte ihre Wirkung. Geistiger Vater dieser Kampagne war angeblich auch Karl Rove.
Nach 9/11 ist es den Neokonservativen gelungen einige ihrer wirren Weltumgestaltungsvorstellungen auszuprobieren. Nur dumm, daß bei solchen Experimenten Zehntausende ihr Leben verlieren. Es ist an der Zeit, daß solche Leute aus der Weltpolitik verschwinden.

Update: Der Newsweek-Artikel ist raus. Hier steht detailliert, was Rove zu Matt Cooper gesagt hat. Damit hat er auf jeden Fall eine Falschaussage vor der Grand Jury gemacht und das läßt sich nicht mehr einfach unter den Teppich kehren.