Karl Rove der Vize-Stabschef im Weißen Haus und Wahlkampfmanager von George W. Bush ist in der Informantenskandal um die Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame in immer mehr Widersprüche verstrickt.Die Plame-Gate Affäre, die im Dunstkreis von New York Times Judy Miller zu einem Kampf für die Pressefreiheit gemacht wird, erschüttert Washington. Der für seine Konsequenz bekannte Sonderankläger Fitzgerald treibt die Ermittlungen, um den Verrat von Staatsgeheimnissen durch einen hohen Regierungsbeamten immer weiter voran.
Es scheint inzwischen klar zu sein, daß Karl Rove dieser Staatsbeamte war. Ob er das bewußt gemacht hat oder nicht ist für eine mögliche Anklage entscheidend. Es haben allerdings schon andere Mitarbeiter des Weißen Hauses mit Fitzgerald gesprochen und berichtet, daß Karl Rove sich bei ihnen explizit nach dem Status von Valerie Plame erkundigt hätte. Dies würde die Rachetheorie untermauern nach der diese Information bewusst weitergegeben wurde um Wilson zu schaden. Bush sieht sich an ein Versprechen erinnert, das er 2003 dem amerikanischen Volk gegeben hat, den Informanten aus dem Weißen Haus zu entfernen.
So gab es seit dem Newsweek-Artikel vom Sonntag, in dem eine Email des Time Journalisten Matt Cooper veröffentlicht wurde, kein Kommentar aus dem Weißen Haus in dieser Angelegenheit. Bei einer gestrigen Frage- und Antwortstunde des ansonsten fragefaulen Pressekorps im Weißen Haus wurde der Pressesprecher des Weißen Hauses Scott McClellan schwer unter Druck gesetzt. Auf Fragen, wie das Weiße Haus angesichts neuer Enthüllungen zu den 2003 gemachten Statements stünde, gab es neben der “Kein Kommentar”-Antwort mantraartig immer wieder die Aussage, man wolle nicht laufende Ermittlungen behindern. Vor knapp zwei Jahren als die Ermittlungen schon liefen war er aber sehr auskunftsfreudig - war das damals also keine Behinderung der Justiz?
Die nächsten Tage sind für das Weiße Haus entscheidend. Schon springen die Ratten vom sinkenden Schiff und einige Parteifreunde verzichten darauf sich öffentlich hinter Karl Rove zu stellen - um selbst nicht zum politischen Kollateralschaden zu werden?
Für das Weiße Haus geht es um die eigene Glaubwürdigkeit, die allerdings durch den Irak-Krieg momentan sowieso schon arg erschüttert ist. Das RNC (republikanische Nationalkomitee) hat schon mal die “Talking Points” vorgegeben, Diskussionsstandpunkte, die durch die Partei hindurch eingehalten werden. Kurzfristig auf Linie gebracht. Ein Dokument des RNC, in dem diese “Talking Points” erläutert werden, liegt hier für den Interessierten vor. Solche Strategiepapiere werden bei jeder Krise produziert, um im Medienkrieg als geschlossene Front auftreten zu können und weil Argumente, die immer wieder heruntergebetet werden, dadurch zwar nicht wahrer werden, dafür aber an Legitimation gewinnen. Eines der schlagenden Argumente ist, daß Valerie Plame selbst ihren Mann nach Niger geschickt hat, was Wilsons Glaubwürdigkeit von vorneweg untergrabe. Ob diese Argumentation haltbar ist wird sich noch zeigen. Ende 2003 sagte Karl Rove noch zu Fernsehjournalist Chris Matthews bei ausgeschalteten Kameras, Valerie Plame sei “Fair Game” gewesen. Was man so deuten könte, daß Wilson die Enttarnung seiner Frau selbst vorantwortet hat durch seine Veröffentlichung in der New York Times.
Die Republikaner haben in den letzten Jahren die Medienschlacht in den USA immer wieder für sich entschieden. Hier aber hat sich einer von Bushs höchsten Mitarbeitern angreifbar gemacht, weil wahrscheinlich ein Verbrechen begangen wurde. Die Auswirkungen für die Bush Regierung dürften katastrophal sein, wenn der als Bush’s Brain bekannte Karl Rove zur politischen Belastung wird. George Bush belohnt Versagen für gewöhnlich mit Beförderungen, wie bei Condoleeza “ich lese keine Memos” Rice oder Medaillien, wie bei George “SlamDunk” Tenet. In diesem Fall wird er damit nicht durchkommen. Die Untersuchung, die Bush im öffentlichen Druck selbst angeordnet hatte, entwickelt sich zur Rachegöttin der Bush-Regierung.

Hintergrund:
Hat Saddam im Niger Uran gekauft. Diese Frage stellte sich die CIA im Vorfeld des Irak-Krieges und schickte Joe Wilson nach Niger, um das zu beantworten. Entgegen der offiziellen Version des Weißen Hauses hatte Wilson keinerlei Beweise für Uraneinkäufe Saddams gefunden, die der Präsident bei der Rede zu Lage der Nation 2003 jedoch erwähnt hatte, um sein Plädoyer für den Irak-Feldzug zu verstärken. Entrüstet veröffentlichte Wilson seine Erkenntnisse in der New York Times in einem Editorial. Wenig später wurde in der Presse Wilsons Frau als verdeckt arbeitende CIA-Agentin im Bereich Massenvernichtungswaffen enttarnt. Daraufhin begann die Suche nach dem Regierungsbeamten, der diese Information an die Presse weitergab.