Wieviel sind 45 Prozent netto?
Was für eine Katastrophenwoche für die Union. Erst die Brutto-Netto Verwechslung der Kanzlerkandidatin, dann die mehr als unglücklichen Aussagen von Bayerns Patriarchen Edmund Stoiber. Die Vorgabe von 45%, die die CSU als Wahlergebnis für die Union vorsieht, dürfte Angela Merkel wenig erfreut haben. Schon vor einigen Tagen ließ Edmund Stoiber bei einer Kundgebung wissen: “Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Die Frustrierten dürfen nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen.”. “Wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern.”, fügte Stoiber zum Wahlverhalten der Ostdeutschen am Mittwoch hinzu, was momentan für allgemeine Empörung sorgt.
Edmund Stoiber fühlt sich missgedeutet. CSU-Bulldogge Markus Söder, der vor einigen Tagen schon attestierte “der Kanzler lügt sich durch die Nation” und damit einen neuen stilistischen Tiefpunkt im Wahlkampf gesetzt hat, versuchte dann heute die Schadensbegrenzung indem er vorgab bei den Adressaten der Äußerungen Stoibers handelte es sich um Gysi und Lafontaine.
In den Tagesthemen kamen heute ostdeutsche Passanten zu Wort, was sie denn von Stoibers Bemerkungen hielten. Einer der Befragten brachte es mit einer Gegenfrage gut auf den Punkt: “Sind wir nicht ein Volk? Wählen wir nicht eine gemeinsame Regierung?”
Die CDU ächzt und leidet unter den Äußerungen des Kanzlerkandidaten von 2002, der sich offenbar immer noch um den Wahlsieg betrogen fühlt und dabei gar nicht zu merken scheint, dass er große Teile unserer Bevölkerung als unmündige Bürger disqualifiziert. Die Demoskopen haben die Auswirkungen dieser Aussagen noch nicht erfasst, aber wir dürfen gespannt sein auf die nächste Sonntagsfrage wieviel jetzt netto von den angepeilten 45% übrig bleibt. Dass die Union dieses Ziel bei der Wahl erreichen kann, darf derzeit arg bezweifelt werden.