Wenn Klüngel zur Massenvernichtungswaffe wird
Die Inkompetenz und Unentschlossenheit der amerikanischen Behörden, die Menschen, die im überfluteten New Orleans mit dem Nötigsten zu versorgen, war leider viel zu offensichtlich. Der Leiter der Behörde für den Katastrophenschutz FEMA ist Michael Brown, dessen berufliche Vorgeschichte ausser 11 Jahren bei der International Arabian Horse Association nicht viel zu bieten hat. Wegen rechtlicher Unregelmäßigkeiten ist er dort aber gefeuert worden. Wie kam er also zuerst an den Job bei der FEMA?
Die FEMA ist unter Bill Clintons Regierung zu einer eigenständigen Behörde ausgebaut worden und ihr damaliger Leiter, James Lee Witt, hat sie zu einer hocheffektiven Einrichtung gemacht. Als George W. Bush nach 9/11 die Behörde für den Heimatschutz Department of Homeland Security ins Leben ruft, wird die FEMA in sie eingegliedert.
Während also der damalige Homeland Security Chef Tom Ridge die amerikanische Bevölkerung mit Terroralarmen in allen Regenbogenfarben verängstigte, wurden Budgetkürzungen bei der FEMA vorgenommen - die Abwehr einer diffusen Terrorgefahr hatte die oberste Priorität. Nachfolger von Witt als Leiter der FEMA war von 2001-2003 Joe Allbaugh, der überhaupt keine Erfahrung in diesen Job mitbrachte ausser Wahlkampleiter von Bush 2000 gewesen zu sein. Der Legende nach war es Joe Allbaugh, der die Militärakten von George Bush gesäubert hatte.
Als stellvertretenden Direktor nahm er seinen Zimmerkollegen aus der Studienzeit Michael Brown mit in den Job. Allbaugh verlies 2003 die abgespeckte Behörde, um eine Firma zu gründen, die amerikanische Unternehmen zu Investitionen im Irak berät. So wurde Michael Brown sein Nachfolger.
Die Bush-Administration ist vollgepackt mit Leuten, die ihre Jobs mehr ihrer Regierungstreue als ihrer echten Qualifikation zu verdanken haben. In der FEMA alleine mindestens noch 2 Top-Jobs die an Leute gingen, die bei den dubiosen Wahlen 2000 und der folgenden Nachzählung in Florida eine Rolle spielten. Bei einem Botschafterposten in Monaco oder Liechtenstein mag das akzeptabel sein, sind aber wie nach Hurrikan Katrina durch späte und unzureichende Hilfe Tausende Menschen gestorben, sieht das schon etwas anders aus. Trotzdem lobte Bush Michael Brown am Samstag: “Brownie, you’re doing a heck of a Job.” - “Brownie, du machst einen Wahnsinnsjob.” In der amerikanischen Blogosphäre witzelt man schon er könnte der Träger der nächsten Friedensmedaille sein, wie schon George “Slam Dunk” Tenet.
Die Riege, um den in die Informantenaffäre verwickelten Karl Rove, arbeitet auf Hochtouren, um Schaden vom Präsidenten abzuwenden. Die aktuelle Linie ist es den lokalen Behörden den schwarzen Peter zuzuschieben. Hoffentlich schlucken die amerikanischen Medien diesen Köder nicht.